Ultraschallgestützte Nanostrukturierung zur Herstellung poröser Metalle
Sonochemie ist ein sehr wirksames Werkzeug zur Herstellung und Funktionalisierung von Nanomaterialien. In der Metallurgie fördert die Ultraschallbestrahlung die Bildung poröser Metalle. Die Forschungsgruppe von Dr. Daria Andreeva entwickelte ein wirksames und kostengünstiges ultraschallgestütztes Verfahren zur Herstellung mesoporöser Metalle.
Poröse Metalle stoßen in zahlreichen Technologiebranchen auf großes Interesse aufgrund ihrer herausragenden Eigenschaften wie Korrosionsbeständigkeit, mechanischer Festigkeit und der Fähigkeit, extrem hohen Temperaturen standzuhalten. Diese Eigenschaften beruhen auf den nanostrukturierten Oberflächen mit Poren, deren Durchmesser nur wenige Nanometer beträgt. Mesoporöse Materialien zeichnen sich durch Porengrößen von 2 bis 50 nm aus, während mikroporöse Materialien eine Porengröße von weniger als 2nm aufweisen. Ein internationales Forschungsteam, dem Dr. Daria Andreeva von der Universität Bayreuth (Lehrstuhl für Physikalische Chemie II) angehört, hat erfolgreich ein leistungsfähiges und kostengünstiges Ultraschallverfahren zur Gestaltung und Herstellung solcher metallischen Strukturen entwickelt.
Bei diesem Verfahren werden Metalle in einer wässrigen Lösung so behandelt, dass in genau definierten Abständen Hohlräume von wenigen Nanometern entstehen. Für diese maßgeschneiderten Strukturen gibt es bereits ein breites Spektrum innovativer Anwendungen, darunter Luftreinigung, Energiespeicherung und Medizintechnik. Besonders vielversprechend ist der Einsatz poröser Metalle in Nanokompositen. Diese bilden eine neue Klasse von Verbundwerkstoffen, bei denen eine sehr feine Matrixstruktur mit Partikeln gefüllt ist, deren Größe bis zu 20 Nanometer beträgt.
Dr. D. Andreeva demonstriert das Verfahren zur Beschallung fester Partikel in einer wässrigen Suspension mit dem UIP1000hd Ultraschallgerät (20 kHz, 1000W). Foto von Ch. Wißler
Schematische Darstellung der Auswirkungen akustischer Kavitation auf die Modifikation von Metallpartikeln.
Abbildung von Dr. D. Andreeva
Das obige Schema zeigt die Auswirkungen akustischer Kavitation auf die Modifikation von Metallpartikeln. Metalle mit einem niedrigen Schmelzpunkt (MP) wie Zink (Zn) werden vollständig oxidiert; Metalle mit einem hohen Schmelzpunkt wie Nickel (Ni) und Titan (Ti) zeigen unter Beschallung eine Oberflächenmodifikation. Aluminium (Al) und Magnesium (Mg) bilden mesoporöse Strukturen. Edelmetalle sind aufgrund ihrer Oxidationsbeständigkeit gegenüber Ultraschallbestrahlung resistent. Die Schmelzpunkte der Metalle sind in Grad Kelvin (K) angegeben.
Ultraschallkavitation in einer Flüssigkeit
Die obige Abbildung zeigt, dass Ultraschall auch zum Schutz von Aluminiumlegierungen vor Korrosion eingesetzt werden kann. Links: Das Foto einer Aluminiumlegierung in einer stark korrosiven Lösung, darunter eine elektronenmikroskopische Aufnahme der Oberfläche, auf der sich – durch Beschallung – eine Polyelektrolytschicht gebildet hat. Diese Schicht bietet für 21 Tage Schutz vor Korrosion. Rechts: Dieselbe Aluminiumlegierung ohne Beschallung. Die Oberfläche ist vollständig korrodiert.
Die Tatsache, dass verschiedene Metalle auf sehr unterschiedliche Weise auf Beschallung reagieren, lässt sich für Innovationen in der Materialwissenschaft nutzen. Legierungen können auf diese Weise in Nanokomposite umgewandelt werden, in denen Partikel des stabileren Materials in eine poröse Matrix des weniger stabilen Metalls eingebettet sind. So entstehen auf engstem Raum sehr große Oberflächen, die den Einsatz dieser Nanokomposite als Katalysatoren ermöglichen. Sie bewirken besonders schnelle und effiziente chemische Reaktionen.
Neben Dr. Daria Andreeva trugen die Forscher Prof. Dr. Andreas Fery, Dr. Nicolas Pazos-Perez und Jana Schäferhans, ebenfalls vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie II, zu den Forschungsergebnissen bei. Mit ihren Kollegen am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm, am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH und an der Belarussischen Staatlichen Universität in Minsk haben sie ihre neuesten Ergebnisse online in der Zeitschrift „Nanoscale“ veröffentlicht.
Ultraschallprozessor UIP1000hd zur Nanostrukturierung von Metallen
Literatur:
- Skorb, Ekaterina V.; Fix, Dimitri; Shchukin, Dmitry G.; Möhwald, Helmuth; Sviridov, Dmitry V.; Mousa, Rami; Wanderka, Nelia; Schäferhans, Jana; Pazos-Perez, Nicolas ; Fery, Andreas; Andreeva, Daria V. (2011): Sonochemical formation of metal sponges. Nanoscale – Advance first 3/3, 2011. 985–993.
- Wißler, Christian (2011): Highly precise nanostructuring using ultrasound: new procedure to produce porous metals. Blick in die Forschung. Mitteilungen der Universität Bayreuth 05, 2011.
Für weitere wissenschaftliche Informationen wenden Sie sich bitte an: Dr. Daria Andreeva, Lehrstuhl für Physikalische Chemie II, Universität Bayreuth, 95.440 Bayreuth, Deutschland – Telefon: +49 (0) 921 / 55-2750
E-Mail: [email protected]
Wissenswertes
Ultraschallhomogenisatoren für Gewebe werden häufig als Sonden-Sonikator, Ultraschall-Lysator, Ultraschall-Aufschlussgerät, Ultraschallmühle, Sono-Ruptor, Sonifier, Sonic Dismembrator, Zellaufschlussgerät, Ultraschalldispergator oder Dissolver bezeichnet. Die unterschiedlichen Begriffe ergeben sich aus den verschiedenen Anwendungen, die sich durch Beschallung realisieren lassen.
- Mischen
- Emulgieren
- Dispergieren
- Deagglomeration
- Nassmahlen
- Entgasung
- Lösen
- Extraktion
- Gewebehomogenisierung
- Sonofragmentation
- Fermentation
- Reinigung
- Sonosynthese
- Sonokatalyse
- Fällung
- Ultraschallgestützte Laugung
- Abbau
