Ultraschallveredelung von Metallschmelzen
- Der Eintrag von Hochleistungs-Ultraschall in Metallschmelzen und Legierungen hat mehrere positive Effekte, z.B. Kornfeinung, Entgasung und verbesserte Filtrierung.
- Ultraschall fördert die nicht-dendritische Erstarrung in flüssigen und halbfesten Metallen.
- Die Beschallung bewirkt eine deutliche mikrostrukturelle Feinerung der dendritischen Körner und intermetallischen Primärpartikel.
- Hochleistungs-Ultraschall kann darüber hinaus gezielt eingesetzt werden, um die Metallporosität herabzusetzen oder aber meso-poröse Strukturen herzustellen.
- Mittels Hochleistungs-Ultraschall wird die Qualität von Metallgußteilen verbessert.
Ultraschall-Erstarrung von Metallschmelzen
Die Bildung von nicht-dendritischen Strukturen während der Erstarrung von Metallschmelzen beeinflusst die Metallqualität positiv, so Festigkeit, Duktilität/Zähigkeit und/oder Härte verbessert werden.
Ultraschall verbessert die Keimbildung: Die akustische Kavitation und ihre intensiven Scherkräfte erhöhen die Keimbildungsstellen und die Anzahl der Kerne in der Schmelze. Die Ultraschallbehandlung von Schmelzen führt zu einer heterogenen Keimbildung und der Fragmentierung von Dendriten, so dass das Endprodukt eine deutlich höhere Kornfeinung aufweist.
Durch die Ultraschall-Kavitation werden nichtmetallische Verunreinigungen und Einschlüsse in der Schmelze gleichmäßig dispergiert und benetzt. Diese Verunreinigungen dienen als Keimbildungspunkte, welche Ausgangspunkte für die Erstarrung sind. Da sich diese Keimbildungspunkte vor der Erstarrungfront befinden, tritt kein Dendritenwachstum auf.
Makrostruktur der Ti-Legierung nach der Ultraschallbehandlung. Die Ultraschallbehandlung führt zu einer deutlich verfeinerten Kornstruktur.
Ultraschalleffekte auf die Vicker-Härte der Legierung: Ultraschall verbessert die Vickers-Mikrohärte in Metall
(Studie und Grafik: ©Ruirun et al., 2017)
Dendriten-Fragmentierung: Das Schmelzen von Dendriten beginnt in der Regel an der Wurzel aufgrund des lokalen Temperaturanstiegs und der Segregation. Die Beschallung erzeugt starke Konvektion (Wärmeübertragung durch Massenbewegung eines Fluids) und Stoßwellen in der Schmelze, so dass die Dendriten fragmentiert werden. Konvektion kann die Fragmentierung von Dendriten aufgrund extremer lokaler Temperaturen sowie Schwankungen der Zusammensetzung fördern und die Diffusion von gelösten Stoffen fördern. Die Kavitationsstoßwellen unterstützen den Bruch dieser schmelzenden Wurzeln.
Ultraschall-Entgasung von Legierungen
Das Entgasen ist ein weiterer wichtiger Ultraschalleffekt, welcher bei der Herstellung von Metallen und Legierungen genutzt wird. Ultraschall kann sowohl in flüssige als auch halbfeste Metalle und Legierungen eingetragen werden, um Luft- und Gasblasen zu entfernen. Durch den Eintrag intensiver Ultraschallwellen werden alternierende Niederdruck- und Hochdruck-Zyklen erzeugt. Während der Niederdruck-Zyklen entstehen in der Flüssigkeit bzw. Slurry winzige Vakuumblasen. Diese Vakuumblasen fungieren als Keimpunkte für die Bildung von Wasserstoff- und Wasserdampfblasen. Mit zunehmender Größe erhalten die Blasen vermehrten Auftrieb und steigen an die Oberfläche der Schmelze, so dass das Gas entfernt und die Gaskonzentration in der Schmelze reduziert wird.
Durch die Ultraschall-Entgasung wird die Porosität des Metalls verringert, wodurch eine höhere Materialdichte in der Metall-Legierung erzielt wird.
Das Ultraschall-Entgasen von Aluminiumlegierungen erhöht die Zugfestigkeit und Duktilität des Materials. Industrielle Hochleistungs-Ultraschallsysteme gelten im Vergleich zu anderen kommerziellen Entgasungsmethoden im Hinblick auf Effektivität und Prozessdauer als hervorragendes Verfahren. Zudem wird durch die abgesenkte Viskosität der Schmelze der Prozess das Gießen in Casting-Formen deutlich verbessert.
Sonokapillar-Effekte während der Filtration
Der Ultraschall-Kapillareffekt in flüssigen Metallen ist der treibende Effekt zur Entfernung von Oxideinschlüssen bei der ultraschallgestützten Filtration von Schmelzen. (Eskin et al. 2014: 120ff.)
Bei der Filtration metallischer Schmelzen werden nicht-metallische Verunreinigungen aus der Schmelze entfernt. Die Schmelze passiert während des Filtratinsprozesses mehrere Gewebefilter (z.B. Glasfaser-Filter), mit deren Hilfe unerwünschte Einschlüsse abgetrennt werden. Je kleiner die Maschenweite, desto besser ist das Filtrationsergebnis.
Unter normalen Bedingungen ist es nicht möglich, dass eine metallische Schmelze einen zweischichtigen Filter mit einer sehr kleinen Porengröße von 0,4x0,4 mm passiert. Bei einer ultraschall-gestützten Filtration wird es allerdings aufgrund des Sonokapillar-Effektes möglich, dass die Schmelze den Filter passieren kann. Die Filterkapillaren halten nicht-metallische Verunreinigungen von 1 – 10μm zurück. Mittels Ultraschall-Filtration wird eine verbesserten Reinheit der Legierung erreicht und eine unerwünschte Porosität durch Wasserstoffporen wird vermieden, wodurch eine Dauerfestigkeit der Legierung erreicht wird.
Eskin et al. (2014: 120ff.) hat in seinen Forschungsergebnissen dargelegt, dass es mittels Ultraschall-Filtration möglich ist, die Aluminiumlegierungen AA7075, AA2024 und AA7055 zu reinigen. Hierzu wurden die Schmelzen durch einen mehrschichtigen Glasfaserfilter (mit bis zu 9 Lagen) mit einer Filterporengröße von 0,6×0.6mm filtriert. Wenn die Ultraschall-Filtration mit dem Einsatz von Impfmitteln kombiniert wird, ist zudem eine gleichzeitige Kornfeinung zu beobachten.
Ultraschallverstärkung von Metalllegierungen
Ultraschall ist nachweislich ein hochwirksames Verfahren, um Nanopartikel gleichmäßig in Slurries zu dispergieren. Deshalb gehören Ultraschalldispergierer zu den am häufigsten eingesetzten Dispergiermethoden, um nano-verstärkte Verbundwerkstoffe herzustellen.
Nano-Partikel (z.B. Al2O3/ SiC, CNTs) werden eingesetzt, um Werkstoffe zu verstärken. Die Nanopartikel werden der flüssigen Legierung hinzugefügt und mittels Ultraschall dispergiert. Die Ultraschall-Kavitation und -Scherkräfte verbessern die Desagglomerierung und Benetzbarkeit der Partikel, wodurch erhöhte Zugfestigkeit, Festigkeit und Dehnung erzielt werden.
Ultraschallgeräte für Heavy-Duty-Anwendungen
Die Anwendung von Leistungsultraschall in der Metallurgie erfordert robuste, zuverlässige Ultraschallsysteme, die in anspruchsvollen Umgebungen installiert werden können. Hielscher Ultrasonics liefert Ultraschallgeräte in Industriequalität für Installationen in Hochleistungsanwendungen und rauen Umgebungen. Alle unsere Ultraschallgeräte sind für den 24/7-Betrieb ausgelegt. Hielscher Hochleistungs-Ultraschallsysteme sind gepaart mit Robustheit, Zuverlässigkeit und präziser Steuerbarkeit.
Anspruchsvolle Prozesse – wie z.B die Verarbeitung von Metallschmelzen – erfordern die Fähigkeit einer intensiven Beschallung. Die industriellen Ultraschallprozessoren von Hielscher Ultrasonics liefern sehr hohe Amplituden. Amplituden von bis zu 200μm können problemlos im 24/7-Betrieb kontinuierlich gefahren werden. Für noch höhere Amplituden stehen kundenspezifische Ultraschall-Sonotroden zur Verfügung.
Für die Beschallung von sehr hohen Flüssigkeits- und Schmelztemperaturen bietet Hielscher verschiedenen Sonotroden und individuelle Accessoires, um optimale Ultraschallergebnisse für Ihren Prozess zu sicherzustellen.
In der folgenden Tabelle finden Sie die ungefähre Verarbeitungskapazität unserer Ultraschallhomogenisatoren:
| Batch-Volumen | Durchfluss | Empfohlenes Ultraschallgerät |
|---|---|---|
| 10 bis 2000ml | 20 bis 400ml/min | UP200Ht, UP400St |
| 0.1 bis 20l | 0,2 bis 4l/min | UIP2000hdT |
| 10 bis 100l | 2 bis 10l/min | UIP4000 |
| n.a. | 10 bis 100l/min | UIP16000 |
| n.a. | größere | Cluster aus UIP16000 |
Kontaktieren Sie uns! / Fragen Sie uns!
Literatur
- Eskin, Georgy I.; Eskin, Dmitry G. (2014): Ultrasonic Treatment of Light Alloy Melts. CRC Press,Technology & Engineering 2014.
- Jia, S.; Xuan, Y.; Nastac, L.; Allison, P.G.; Rushing, T.W: (2016): Microstructure, mechanical properties and fracture behavior of 6061 aluminium alloy-based nanocomposite castings fabricated by ultrasonic processing. International Journal of Cast Metals Research, Vol. 29, Iss. 5: TMS 2015 Annual Meeting and Exhibition 2016. 286-289.
- Ruirun, C. et al. (2017): Effects of ultrasonic vibration on the microstructure and mechanical properties of high alloying TiAl. Sci. Rep. 7, 2017.
- Skorb, E.V.; Andreeva, D.V. (2013): Bio-inspired ultrasound assisted construction of synthetic sponges. J. Mater. Chem. A, 2013,1. 7547-7557.
- Tzanakis,I.; Xu, W.W.; Eskin, D.G.; Lee, P.D.; Kotsovinos, N. (2015): In situ observation and analysis of ultrasonic capillary effect in molten aluminium . Ultrasonic Sonochemistry 27, 2015. 72-80.
- Wu, W.W:; Tzanakis, I.; Srirangam, P.; Mirihanage, W.U.; Eskin, D.G.; Bodey, A.J.; Lee, P.D. (2015): Synchrotron Quantification of Ultrasound Cavitation and Bubble Dynamics in Al-10Cu Melts.
Wissenswertes
Hochleistungs-Ultraschall und Kavitation
Werden hochintensive Ultraschallwellen in Flüssigkeiten oder Slurries eingetragen, tritt das Phänomen der Ultraschall- Kavitation auf.
Mittels hochintensivem, niederfrequentem Ultraschall können in Flüssigkeiten und Slurries gezielt Kavitationsblasen erzeugt werden. Die hochenergetischen Ultraschallwellen erzeugen abwechselnde Niederdruck- und Hochdruck-Zyklen in der Flüssigkeit. Durch diese rasch alternierenden Druckschwankungen werden in der Flüssigkeit Hohlräume, die sogenannte Kavitationsblasen, erzeugt. Die mittels Ultraschallkavitation erzeugten Blasen fungieren als chemische Mikroreaktoren, in welchen extrem hohe Temperaturen und Drücke auf mikroskopischen Ebene herrschen. Dadurch werden chemische Veränderungen möglich, z.B. werden freie Radikale erzeugt. Für die Chemie und Materialforschung bieten Ultraschall und Ultraschallkavitation daher ein einzigartiges Potenzial: In den Kavitationsblasen herrschen lokal auf makroskopischer Ebene extrem hohe Temperaturen (bis zu 5000 K), extrem hohe Drücke (500atm) und Durckschwankungen sowie sehr hohe Heiz-/Abkühlraten, während das gesamte System (die Flüssigkeit bzw. Slurry) auf Raumtemperatur und Umgebungsdruck bleibt. Diese extremen Konditionen in den ultraschall-generierten Mikroreaktoren bieten hervorragenden Bedingungen für Katalysereaktionen. (vgl. Skorb, Andreeva 2013)
Ultraschallbehandlungen basieren hauptsächlich auf kavitatorischen Effekten. Für die Metallurgie ist die Beschallung eine sehr vorteilhafte Technik, um das Gießen von Metallen und Legierungen zu verbessern.
Neben der Behandlung von Metallschmelzen wird die Beschallung auch eingesetzt, um schwammartige Nanostrukturen und Nanomuster auf festen Metalloberflächen wie Titan und Legierungen zu erzeugen. Diese ultraschall-nanostrukturierten Titan- und Legierungsteile zeigen eine große Kapazität als Implantate mit verbesserter osteogener Zellproliferation. Lesen Sie mehr über die Ultraschall-Nanostrukturierung von Titanimplantaten!



