Grüne sonochemische Synthese von Silber-Nanopartikeln
Silber-Nanopartikel (AgNPs) werden sehr häufig genutzt, da sie besondere antimikrobiellen und optische Eigenschaften aufweisen und über eine hohe elektrische Leitfähigkeit verfügen. Der sonochemische Synthese-Weg unter Verwendung von Kappa-Carrageen ist eine einfache, bequeme und umweltfreundliche Methode zur Herstellung von Silber-Nanopartikeln. Das κ-Carrageen dient als natürlicher, grüner Stabilisator, während Hochleistungs-Ultraschall als umweltfreundliches Reduktionsmittel fungiert.
Grüne Chemie erfordert eine präzise Steuerung der Parameter. Unsere Nanomaterial-Ingenieure unterstützen Sie bei der Auswahl der richtigen Sonotrode, Reaktorgeometrie und Leistungseinstellungen, um die Ausbeute zu maximieren, die Partikelmorphologie zu steuern und die vollständige Einhaltung der Prinzipien der grünen Chemie sicherzustellen.
Grüne, ultraschall-gestützte Synthese von Silber-Nanopartikeln
Elsupikhe et al. (2015) haben eine grünen, ultraschall-gestützten Syntheseweg für die Herstellung von Silber-Nanopartikeln (AgNPs) entwickelt. Es ist bekannt, dass der Eintrag von Hochleistungsultraschall in chemische Systeme (sog. Sonochemie) viele nass-chemische Reaktionen positiv beeinflusst. So ist es bspw. mittels Ultraschall möglich, AgNPs mit κ-Carrageen als natürlichem Stabilisator zu synthetisieren. Die Reaktion läuft bei Raumtemperatur ab und produziert Silber-Nanopartikel mit fcc-Kristallstruktur ohne Verunreinigungen. Die Korngrößenverteilung der AgNPs lässt sich durch die Konzentration der κ-Carrageen beeinflussen.
Schema der Interaktion der geladenen Ag-NPs, welche durch die Beschallung mit κ-Carrageen bedeckt werden. [Elsupikhe et al. 2015]
Verfahren: Nachhaltige Synthese von Silbernanopartikeln
- Ag-NPs wurden synthetisiert, indem AgNO3 mithilfe von Ultraschall in Anwesenheit von κ-Carrageen reduziert wurde. Um verschiedene Proben zu gewinnen, wurden fünf Suspensionen vorbereitet, denen 10mL 0,1M AgNO3 zu 40ml κ-Carrageen zugefügt wurde. Für die κ-Carrageen-Lösungen wurden dementsprechend jeweils 0,1, 0,15, 0,20, 0,25 und 0,3 Gew.-% verwendet.
- Die Lösungen wurden für 1 h gerührt, um AgNO3/κ-Carrageenan zu erhalten.
- Anschließend wurden die Proben mit Ultraschall beschallt: die Amplitude des Ultraschallgerätes UP400S (400W, 24kHz) wurde auf 50% geregelt. Die Sonorisierung wurde 90 Min. bei Zimmertemperatur durchgeführt. Die Sonotrode des Ultraschallhomogenisators UP400S wurde direkt in die Reaktionslösung eingetaucht.
- Nach der Beschallung wurden die Suspensionen für 15 Min. zentrifugiert und viermal mit doppelt destilliertem Wasser gewaschen, um die Silberionen-Rückstände zu entfernen. Die ausgefällten Nanopartikel wurden bei 40°C im Vakuum über Nacht getrocknet, um die Ag-NPs zu erhalten.
Reaktionsgleichung
- kein Wasser —Beschallung–> +H + OH
- OH + RH –> R + H₂O
- No₃–Hydrolyse–> Ag⁺ + NO₃⁻–
- R + Ag+ —> Ag° + R‘ + H+
- Ag+ + H –Reduktion–> Bei °
- Ag+ + H2O —> Ag° + OH + H+
Analyse und Ergebnisse: Ultraschallgesynthetisierte Silbernanopartikel
Um das Resultat der Synthese bewerten zu können, wurden die Proben mittels UV-Spektroskopie, Röntgenbeugung, FT-IR (Fourier Transform Infrarot), TEM- und SEM-Bildern analysiert.
Die Anzahl der Ag-NPs stieg mit zunehmender κ-Carrageen-Konzentration an. Die Bildung von Ag/κ-Carrageen wurde mittels UV-Vis-Spektroskopie nachgewiesen, wobei das Absorptionsmaximum der Oberflächenplasmonen bei 402 bis 420 nm beobachtet wurde. Die Röntgenbeugungsanalyse (XRD) zeigte, dass die Ag-NPs eine flächenzentrierte kubische Struktur aufweisen. Das Fourier-Transform-Infrarotspektrum (FT-IR) wies auf das Vorhandensein von Ag-NPs im κ-Carrageen hin. Die Transmissionselektronenmikroskopie-Aufnahme (TEM) für die höchste κ-Carrageen-Konzentration zeigte die Verteilung der Ag-NPs mit einer durchschnittlichen Partikelgröße von etwa 4,21 nm. Rasterelektronenmikroskopische (REM) Aufnahmen veranschaulichten die kugelförmige Gestalt der Ag-NPs. Die REM-Analyse zeigt, dass mit steigender κ-Carrageen-Konzentration Veränderungen an der Oberfläche von Ag/κ-Carrageen auftraten, sodass kleine, kugelförmige Ag-NPs erhalten wurden.
Literatur
- Elsupikhe, Randa Fawzi; Shameli, Kamyar; Ahmad, Mansor B; Ibrahim, Nor Azowa; Zainudin, Norhazlin (2015): Green sonochemical synthesis of silver nanoparticles at varying concentrations of κ-carrageenan. Nanoscale Research Letters 10. 2015.
- Reza Kazemi Oskuee, Azhar Banikamali, Bibi Sedigheh Fazly Bazzaz, Hasan Ali Hosseini, and Majid Darroudi (2016): Honey-Based and Ultrasonic-Assisted Synthesis of Silver Nanoparticles and Their Antibacterial Activities. Journal of Nanoscience and Nanotechnology Vol. 16, 7989–7993, 2016.
- Bose, Rahul & Roychoudhury, Piya & Pal, Ruma (2021): In-situ green synthesis of fluorescent silica–silver conjugate nanodendrites using nanoporous frustules of diatoms: an unprecedented approach. Bioprocess and Biosystems Engineering 44, 2021
- I. De La Calle, N. Cabaleiro, M. Costas, F. Pena, S. Gil, I. Lavilla, C. Bendicho (2011): Ultrasound-assisted extraction of gold and silver from environmental samples using different extractants followed by electrothermal-atomic absorption spectrometry. Microchemical Journal, Volume 97, Issue 2, 2011. 93-100.
Häufig gestellte Fragen: Umweltfreundliche sonochemische Synthese von Silbernanopartikeln
Inwiefern verbessert Ultraschall die „grüne“ Synthese von Silbernanopartikeln?
Ultraschall löst akustische Kavitation aus, wodurch lokalisierte Hotspots entstehen, die Silberionen mithilfe umweltfreundlicher Wirkstoffe rasch abbauen. Dieser sono-chemische Prozess beschleunigt die Reaktionskinetik, fördert eine gleichmäßige Keimbildung und ermöglicht eine präzise Steuerung von Partikelgröße und -form – und das alles ohne aggressive Chemikalien oder hohe Wärmeenergie.
Was sind die wichtigsten Vorteile eines umweltfreundlichen sonochemischen Verfahrens zur Herstellung von AgNPs?
Bei der umweltfreundlichen sonochemischen Synthese werden Ultraschall mit biokompatiblen Reduktions- und Schutzmitteln (wie Pflanzenextrakten, Zuckern oder Polymeren) kombiniert, um ungiftige, umweltverträgliche Silbernanopartikel herzustellen. Das Verfahren senkt den Energieverbrauch, verkürzt die Synthesezeit, vermeidet gefährliche Nebenprodukte und liefert hochstabile Nanopartikel mit einer gleichmäßigen Größenverteilung.
Kann Ultraschall die Größe und Morphologie von Silbernanopartikeln beeinflussen?
Ja. Durch die Anpassung von Ultraschallamplitude, Frequenz, Leistungsdichte und Beschallungsdauer können Hersteller die Keimbildungs- und Wachstumsraten präzise steuern. Dies ermöglicht die reproduzierbare Herstellung von AgNPs im Größenbereich von 5 bis 100 nm in verschiedenen Formen (Kugeln, Würfel, dreieckige Plättchen), die auf spezifische biomedizinische, elektronische oder industrielle Anwendungen zugeschnitten sind.
Ist die umweltfreundliche Ultraschallsynthese für die industrielle Herstellung von AgNP skalierbar?
Auf jeden Fall. Industrielle Ultraschallprozessoren unterstützen Durchflussreaktoren die sich nahtlos von Laborchargen auf die Serienfertigung skalieren lassen. Die Inline-Ultraschallbehandlung gewährleistet eine gleichmäßige Kavitationsverteilung, eine Prozessüberwachung in Echtzeit sowie Konsistenz von Charge zu Charge und eignet sich somit ideal für die umweltfreundliche Herstellung von AgNP in großen Mengen.
Welche umweltfreundlichen Reduktionsmittel eignen sich am besten für die Synthese von Silbernanopartikeln mittels Ultraschall?
Zu den wirksamen umweltfreundlichen Wirkstoffen zählen Pflanzenextrakte (z. B. Aloe, grüner Tee, Zitrusschalen), Kohlenhydrate, Aminosäuren, Proteine und biologisch abbaubare Polymere. Ultraschall steigert deren reduzierende und stabilisierende Wirkung, sodass synthetische Chemikalien vollständig ersetzt werden können, während gleichzeitig eine hohe Ausbeute, kolloidale Stabilität und funktionale Leistungsfähigkeit gewährleistet bleiben.
Inwiefern unterscheidet sich die sonochemische Synthese von herkömmlichen chemischen Verfahren zur Herstellung von AgNPs?
Herkömmliche chemische Verfahren basieren häufig auf toxischen Reduktionsmitteln (z. B. Natriumborhydrid) und extremen pH-Werten und verursachen gefährliche Abfälle. Die umweltfreundliche sonochemische Synthese nutzt sichere, nachwachsende Rohstoffe, findet bei Raumtemperatur oder milden Temperaturen statt, verkürzt die Verarbeitungszeit erheblich und erzeugt sauberere, biokompatiblere Nanopartikel mit hervorragender Dispersion und Haltbarkeit.
Welche Branchen profitieren von umweltfreundlichen Silbernanopartikeln, die mittels Ultraschall hergestellt werden?
AgNPs, die mittels umweltfreundlicher sonochemischer Verfahren synthetisiert werden, finden breite Anwendung in antimikrobiellen Beschichtungen, medizinischen Geräten, der Wundversorgung, der Wasserfiltration, der flexiblen Elektronik und bei nachhaltigen Verpackungen. Ihre umweltfreundliche Herstellung gewährleistet die Einhaltung strenger Umwelt- und Sicherheitsstandards und sorgt gleichzeitig für hohe Leistungsfähigkeit und behördliche Zulassung.
Was sind Silbernanopartikel?
Silber-Nanopartikel werden durch eine Größe von 1nm bis 100nm charakterisiert. Während sie häufig als ‚Silber‘ beschrieben werden, bestehen jedoch einige Silbernanopartikel zu einem hohen Prozentsatz aus Silberoxid, da die Silberatome ein hohes Oberflächen-Volumen-Verhältnis haben. Silber-Nanopartikel können unterschiedliche Strukturen aufweisen. Am häufigsten werden sphärische Silbernanopartikel synthetisiert, aber auch diamantförmige, oktagonale und dünnschichtige Strukturen werden verwendet.
Sehr oft kommen Silber-Nanopartikel in medizinischen Anwendungen zum Einsatz. Die silbernen-Ionen sind bioaktive und haben starke antimikrobielle und keimtötende Wirkung. Ihre extrem große Oberfläche ermöglicht die Koordination der zahlreichen Liganden. andere wichtigen Eigenschaften sind die Leitfähigkeit und einzigartige optische Eigenschaften.
Aufgrund ihrer Leitfähigkeit werden Silber-Nanopartikel oft in Verbundwerkstoffen, Kunststoffen, Epoxy-Beschichtungen und Klebstoffen verarbeitet. Die Silber-Partikel erhöhen die elektrische Leitfähigkeit deutlich; deshalb werden Silberpasten und Silbertinten häufig in der Elektronikproduktion verwendet. Da Silbernanopartikel Oberflächenplasmone unterstützen, weisen AgNPs hervorragende optische Eigenschaften auf. Plasmonische Silber-Nanopartikel werden bei der Herstellung von Sensoren, Detektoren und Analysegeräten, z.B. Surface Enhanced Raman Spektroskopie (SERS) und Surface Plasmon Field-enhanced Fluorescence Spectroscopy (SPFS), eingesetzt.
Was ist Carrageen?
Carrageen ist ein günstiges, natürlich vorkommendes Polymer, das in verschiedene Rotalgenarten zu finden ist. Carrageene sind linear schwefelhaltigen Polysaccharide, die aufgrund ihrer gelierenden, verdickenden und stabilisierenden Eigenschaften vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Das Hauptanwendungsfeld von Carragen befindet sich aufgrund seiner starken Bindung von Lebensmittelproteinen in Milch und Fleischprodukten. Es gibt drei wichtigste Carrageenarten, die sich in ihrem Grad an Sulphatierung unterscheiden. Kappa-Carrageen (κ-Carrageenen) hat eine Sulfat-Gruppe pro Disaccharid. Jota-Carrageen (ι-Carrageenen) hat zwei Sulfate pro Disaccharid. Lambda-Carrageen (λ-Carrageenen) hat drei Sulfate pro Disaccharid.
Kappa-Carrageen (κ-Carrageen) hat die lineare Struktur eines sulfatierten Polysaccharids aus D-Galaktose und 3,6-Anhydro-D-Galaktose.
κ-Carrageen wird stark in der Lebensmittelindustrie frequentiert, z.B. als Geliermittel und zur Modifikation von Texturen. Es findet sich z.B. als Zusatzstoff in Eiscreme, Hüttenkäse, Milchshakes, Salatdressings, gezuckerter Kondensmilch, Sojamilch & anderen pflanzlichen Milcharten und Saucen, um die Produktviskosität zu erhöhen.
Darüber hinaus wird κ-Carrageen auch in Nonfood-Produkten eingesetzt, z.B. als Verdickungsmittel in Shampoo und kosmetischen Cremes, in Zahnpasta (als Stabilisator, um die Trennung der einzelnen Bestandteile zu verhindern), in Feuerlöschschaum (als Verdickungsmittel, um den Schaum haftend zu machen), in Lufterfrischern, in Schuhputzpolitur (um die Viskosität zu erhöhen), in der Biotechnologie, um Zellen oder Enzyme in Arzneimitteln zu immobilisieren, in Medikamenten (als ein inaktiver Hilfsstoff in Pillen/Tabletten), in der Tiernahrung usw.



