Ultraschallunterstütztes enzymatisches Kunststoffrecycling
Polyethylenterephthalat (PET) ist eine riesige Abfallquelle, die hauptsächlich durch Wasser- und Getränkeflaschen entsteht. Bis vor kurzem führte das Recycling von PET zu minderwertigen Kunststoffen. Ein neues mutiertes Enzym verspricht die Zersetzung von PET zu reinen Rohstoffen, welche für die Herstellung neuer hochwertiger Kunststoffe verwendet werden kann. Mittels Ultraschall aktivierte Enzyme zeigen eine höhere Effizienz, beschleunigen das enzymatische Recycling von Kunststoffen und erhöhen dadurch die Prozesskapazitäten.
Wie Leistungsultraschall das enzymatische PET-Recycling intensiviert
- Erhöht die zugängliche Oberfläche von PET-Substraten drastisch, wodurch pulverförmige Formen deutlich besser auf die Biokatalyse ansprechen als feste Schichten.
- Mildert die hemmenden Auswirkungen der Polymerkristallinität und ermöglicht so eine beschleunigte Hydrolyse von PET mit geringer Kristallinität.
- Dient als gezielter Aktivierungsauslöser, wobei eine kurze anfängliche Ultraschallbehandlung die Freisetzung von Monomeren wie Terephthalsäure (TA) und MHET drastisch steigert.
- Verbessert den Stoffaustausch und den Kontakt an der Grenzfläche zwischen Enzym und Polymer, ohne dass aggressive thermische oder chemische Vorbehandlungen erforderlich sind.
- Senkt den Gesamtenergiebedarf, indem die Ultraschallenergie auf eine kurze Aktivierungsphase beschränkt wird, anstatt unter kontinuierlichen Reaktionsbedingungen eingesetzt zu werden.
Überwindung physikalischer Barrieren durch akustische Kavitation
Poly(ethylenterephthalat) (PET) weist aufgrund seines hohen Molekulargewichts, seiner Hydrophobie und seiner teilkristallinen Struktur eine erhebliche Widerstandsfähigkeit gegenüber dem biologischen Recycling auf, was naturgemäß das Eindringen von Enzymen und den katalytischen Kontakt einschränkt. Die Ultraschallbestrahlung überwindet diese physikalischen Einschränkungen wirksam, indem sie akustische Kavitation erzeugt, die an der Grenzfläche zwischen Polymer und Lösungsmittel lokalisierte Mikromischung, mechanische Scherkräfte und kontrollierte thermische Schwankungen hervorruft. Diese akustische Energie quillt die Polymermatrix auf, bricht starre kristalline Domänen auf und vergrößert die verfügbare Oberfläche für die Anlagerung von Biokatalysatoren erheblich. Durch die physikalische Konditionierung des Substrats vor oder während der frühen Hydrolysephase neutralisiert die Ultraschallbehandlung die negativen Auswirkungen der Kristallinität und schafft eine günstigere Mikroumgebung für den enzymatischen Abbau, wodurch eine hocheffiziente Grundlage für eine nachhaltige Depolymerisation geschaffen wird.
Synergistische Aktivierung von Cutinase-Biokatalysatoren
Die Kombination von Leistungsultraschall mit Cutinase-Enzymen, insbesondere Thermobifida cellulosilytica Cutinase 1 (Thc_cut1), zeigt eine starke synergistische Wirkung, die den katalytischen Umsatz maximiert und gleichzeitig die Enzymintegrität bewahrt. Anstatt eine kontinuierliche Ultraschallbestrahlung aufrechtzuerhalten, wird das System durch eine kurze, 10-minütige Aktivierungsphase zu Beginn der Hydrolyse vorbereitet, was zu einer bemerkenswerten 5,2- bis 6,6-fachen Steigerung der Freisetzung von Abbauprodukten wie TA und MHET führt. Dieser kurze Impuls akustischer Energie verbessert wahrscheinlich die Enzymmobilität, verstärkt die Benetzung an der Grenzfläche und modifiziert vorübergehend die Polymeroberfläche, um die katalytische Bindung zu begünstigen, ohne das Protein zu denaturieren. Durch die Entkopplung der hohen Energiezufuhr vom gesamten Reaktionsverlauf sorgt die Synergie aus Ultraschallbehandlung und Cutinase für erhebliche Steigerungen der Depolymerisationseffizienz, während gleichzeitig die Stabilität des Biokatalysators gewahrt und der Gesamtenergieverbrauch des Prozesses reduziert wird.
Substratmorphologie und Skalierbarkeit des Prozesses
Der Erfolg des ultraschallunterstützten enzymatischen PET-Recyclings wird stark von der Geometrie und der physikalischen Form des Substrats beeinflusst, wobei pulverförmige Substrate durchweg bessere Ergebnisse erzielen als Endlosfolien. Studien zeigen, dass die Ultraschallaktivierung bei PET-Pulvern etwa dreimal so effektiv ist wie bei Folien, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die körnige Morphologie eine wesentlich größere und besser zugängliche Oberfläche für die enzymatische Hydrolyse bietet. Während Pulver mit geringer Kristallinität (z. B. 8 %) einen schnellen und robusten Abbau zeigen, weisen sogar strukturierte Substrate wie PET-Folien mit 7 % Kristallinität messbare Vorteile auf, wie beispielsweise eine 1,2-fache Verbesserung der TA-Freisetzung über einen verlängerten Reaktionszeitraum von 72 Stunden. Diese morphologischen Abhängigkeiten unterstreichen die Notwendigkeit, die Ultraschallparameter an die Substrateigenschaften anzupassen, und belegen, dass eine strategische Ultraschallbehandlung eine effektive Brücke zwischen dem enzymatischen Recycling im Labormaßstab und der skalierbaren, industriell realisierbaren Verwertung von Kunststoffabfällen schlagen kann.
Hochleistungs-Ultraschallprozessoren für enzymatische Reaktionen
Hielscher Ultrasonics verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Hochleistungs-Ultraschallgeräten für anspruchsvolle Anwendungen in Labor und Industrie. Unser Wissen und unsere Erfahrung in zahlreichen Ultraschallprozessen sind Teil des Leistungsumfanges, welchen wir unseren Kunden anbieten.
Wir begleiten unsere Kunden von der Erstberatung über die Machbarkeitsprüfung und Prozessoptimierung bis hin zur Installation und dem Betrieb Ihres eigenen Ultraschallsystems.
Mit unseren präzise steuerbaren Ultraschallgeräten lassen sich Enzymaktivität, Kinetik, thermodynamische Eigenschaften sowie die Verarbeitungstemperatur exakt regeln.
Unser Portfolio an leistungsstarken und zuverlässigen Ultraschallprozessoren deckt die gesamte Bandbreite vom kompakten tragbaren Labor-Handgerät bis hin zu Benchtop- und vollindustriellen Prozessoren ab. Ab 200 Watt aufwärts sind alle Ultraschallgeräte mit einem digitalen Touch-Display, intelligenter Software, Browser-Fernsteuerung und automatischer Datenprotokollierung auf einer integrierten SD-Karte ausgestattet. Der individuell einstellbare Beschallungszyklus-Modus (Pulsmodus) ermöglicht die Einstellung und Kontrolle der Enzymexposition (Beschallung und Pausenzeiten) bei der Ultraschallbehandlung. Die Robustheit der Hielscher-Ultraschallgeräte ermöglicht einen 24/7-Betrieb bei hoher Beanspruchung und in anspruchsvollen Umgebungen.
In der folgenden Tabelle finden Sie die ungefähre Verarbeitungskapazität unserer Ultraschallhomogenisatoren:
| Batch-Volumen | Durchfluss | Empfohlenes Ultraschallgerät |
|---|---|---|
| 1 bis 500ml | 10 bis 200ml/min | UP100H |
| 10 bis 2000ml | 20 bis 400ml/min | UP200Ht, UP400St |
| 0.1 bis 20l | 0,2 bis 4l/min | UIP2000hdT |
| 10 bis 100l | 2 bis 10l/min | UIP4000hdT |
| n.a. | 10 bis 100l/min | UIP16000 |
| n.a. | größere | Cluster aus UIP16000 |
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Über das enzymatische Kunststoffrecycling
Das Hydrolyseenzym "leaf-branch compost cutinase" (LLC) kommt in der Natur vor und zerschneidet die Bindungen zwischen den beiden Bausteinen, aus denen Polyethylenterephthalat (PET) besteht - Terephthalat und Ethylenglykol. Die Gesamtwirkungsgrad des Enzyms und seine Wärmeempfindlichkeit sind jedoch reaktionslimitierende Faktoren, welche die Prozesseffizienz deutlich reduzieren. Das "leaf-branch compost cutinase"-Enzym wird ab 65°C thermisch zersetzt, während die Zersetzung von PET Temperaturen von 72°C oder höher erfordern, da PET erst ab diesen Tempraturen zu schmelzen beginnt. Geschmolzenes PET ist ein wichtiger Prozessfaktor, da die Schmelze eine größere Oberfläche bietet, an der das Enzym arbeiten kann.
Forscher haben das natürlich vorkommende "leaf-branch compost cutinase"-Enzym genetisch verändert und die Aminosäuren an den Bindungsstellen ausgetauscht. Dies führte zu einem mutierten Enzym, das eine um das 10.000-fache erhöhte Aktivität beim Aufbrechen von PET-Bindungen (im Vergleich zum nativen LLC-Enzym) hat und eine deutlich verbesserte Hitzestabilität aufweist. Dies bedeutet, dass das neue mutierte Enzym bei 72°C, der Temperatur, bei der PET zu schmelzen beginnt, nicht zerstört wird.
Die ultraschall-gestützte Dispergierung und Oberflächenaktivierung fördert die enzymatisch- katalytische Reaktion. Spezifische Beschallungsparameter wie Ultraschallamplitude, Beschallungsdauer, Prozesstemperatur und -druck können exakt auf den Enzymtyp abgestimmt werden, um dessen katalytische Aktivität zu erhöhen. Die Ultraschallprozessparameter und ihre Auswirkungen auf Enzyme hängen vom spezifischen Enzymtyp, seiner Aminosäurezusammensetzung und der Struktur ab. Dadurch hat jeder Enzymtyp spezifische optimale Prozessbedingungen, unter denen eine optimale Enzymaktivierung erreicht wird.
Ultraschalldispersion von Enzymen und Substraten
Mittels Ultraschall erzeugte Scherkräfte und Mikroturbulenzen sind für ihre hohe Dispergiereffizienz bekannt. Die ultraschall-gestütze Dispergierung von Enzymaggregaten sowie von Substratagglomeraten verbessert die enzymatisch-katalytische Aktivität, da das Aufbrechen der molekularen Aggregaten und Agglomeraten die aktive Oberfläche zwischen Enzymen und Substrat für die Reaktion vergrößert.
Ultraschall-aktiviertes Cutinase-Enzym
Die ultraschall-gestützte Aktivierung des Enzyms cutinase Thc_Cut1 zeigt gute Resultate im Hinblick auf seine PET-Hydrolyseaktivität. Der ultraschall-aktivierte enzymatische Abbau von PET führte zu einer 6,6-fachen Erhöhung der freigesetzten Abbauprodukte im Vergleich zu unbehandeltem PET. Ein Anstieg des kristallinen Anteils (28%) in PET-Pulver und -Film führte zu geringeren Hydrolyseausbeuten, was mit der geringeren Oberflächenverfügbarkeit zusammenhängen könnte. (vgl. Nikolaivits et al. 2018)
Tisch-Ultraschallgerät UIP1500hdT mit einer Durchflusszelle zur Depolymerisation von PET für das Recycling
Häufig gestellte Fragen zur ultraschallunterstützten enzymatischen PET-Depolymerisation
Inwiefern verbessert Ultraschall das enzymatische Recycling von PET?
Ultraschall verbessert die enzymatische Hydrolyse von Poly(ethylenterephthalat) (PET), indem er die Freisetzung von Abbauprodukten während der Reaktion deutlich erhöht. Die Anwendung einer kurzen Aktivierungsphase mit Ultraschallenergie kann im Vergleich zu herkömmlichen enzymatischen Verfahren zu einer erheblichen Steigerung der Monomerausbeute führen.
Wie wirkt sich die Kristallinität von PET auf die Effizienz der ultraschallunterstützten Hydrolyse aus?
Die Kristallinität von PET wirkt sich negativ auf die enzymatische Hydrolyse aus; Substrate mit geringerer Kristallinität werden wesentlich schneller abgebaut. So wurde beispielsweise PET-Pulver mit einer Kristallinität von 8 % bei Ultraschallbehandlung deutlich schneller hydrolysiert als PET mit einer Kristallinität von 28 %.
Hat die physikalische Form des PET-Substrats (Pulver oder Folie) Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Ultraschall?
Ja, die physikalische Form des Substrats hat einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse. Die Ultraschallaktivierung ist bei PET-Pulvern etwa dreimal so wirksam wie bei Folien. Dieser Unterschied ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass bei pulverförmigen Substraten im Vergleich zu endlosen Folien eine größere Oberfläche für den enzymatischen Abbau zur Verfügung steht.
Welches Enzym wird üblicherweise beim ultraschallunterstützten PET-Abbau verwendet?
Das Enzym Thermobifida cellulosilytica Cutinase 1 (Thc_cut1) wird häufig in ultraschallaktivierten PET-Hydrolyseverfahren eingesetzt. Dieser Biokatalysator zeigt eine verbesserte Aktivität, wenn die Reaktion durch einen kurzen Ultraschallimpuls ausgelöst wird.
Fördert die Ultraschallbehandlung andere Depolymerisationswege von PET?
Ja, Hochleistungsultraschall unterstützt die alkalische, saure oder neutrale Hydrolyse, die Glykolyse mit Ethylenglykol, die Methanolyse, die katalytische Solvolyse sowie die enzymatische PET-Hydrolyse.
Erfahren Sie, wie die Ultraschallbehandlung die alkalische Hydrolyse von PET intensiviert!
Was ist akustische Kavitation?
Niederfrequenter, hochintensiver Ultraschall (ca. 20 – 50kHz) erzeugt akustische/Ultraschall-Kavitation, welche physikalische, mechanische und chemische Effekte hervorruft. Die Effekte der akustischen Kavitation können in Form von der Entstehung, dem Wachstum und der anschließenden heftigen Implosion winziger Vakuumblasen beobachtet werden, welche durch Druckschwankungen der in eine Flüssigkeit eingekoppelten Ultraschallwellen entstehen. Bei der Implosion von Kavitationsblasen entstehen so genannte Hot Spots, welche auf kleinsten Raum und kurze Dauer begrenzt sind. Diese lokal auftretenden Hot Spots zeichnen sich durch eine intensive Erhitzung von mindestens 5000 K, Drücke bis zu 1200 bar sowie hohe Temperatur- und Druckunterschiede aus, welche innerhalb von Millisekunden auftreten. Tröpfchen und Partikel der Flüssigkeit werden zu Flüssigkeitsstrahlen mit Geschwindigkeiten von bis zu 208 m/s beschleunigt.
Literatur / Literaturhinweise
- Alessandro Pellis, Caroline Gamerith, Gagik Ghazaryan, Andreas Ortner, Enrique Herrero Acero, Georg M. Guebitz (2016): Ultrasound-enhanced enzymatic hydrolysis of poly(ethylene terephthalate). Bioresource Technology, Volume 218, 2016. 1298-1302.
- Nutan Rajesh Paliwal, Arvind Kumar Mungray (2013): Ultrasound assisted alkaline hydrolysis of poly(ethylene terephthalate) in presence of phase transfer catalyst. Polymer Degradation and Stability, Volume 98, Issue 10, 2013. 2094-2101.
- V. Tournier, C. M. Topham, A. Gilles, B. David, C. Folgoas, E. Moya-Leclair, E. Kamionka, M.-L. Desrousseaux, H. Texier, S. Gavalda, M. Cot, E. Guémard, M. Dalibey, J. Nomme, G. Cioci, S. Barbe, M. Chateau, I. André, S. Duquesne, A. Marty (2020): An engineered PET depolymerase to break down and recycle plastic bottles. Nature 580(7802): 216-219.
- Bhogle, C. S.; and Pandit, A. B. (2018): Ultrasound-Assisted Alkaline Hydrolysis of Waste Poly(Ethylene Terephthalate) in Aqueous and Non-aqueous Media at Low Temperature. Indian Chemical Engineer, 60(2), 2018. 122–140.
- Meliza Lindsay Rojas; Júlia Hellmeister Trevilin; Pedro Esteves Duarte Augusto (2016): The ultrasound technology for modifying enzyme activity. Scientia Agropecuaria 7 /2, 2016. 145–150.


