Ultraschallsynthese von SnOx-Nanoflocken
Zweidimensionale (2D) Nanomaterialien ziehen aufgrund ihrer großen Oberfläche, ihrer abstimmbaren elektronischen Eigenschaften und ihrer einzigartigen Wechselwirkungen mit Licht und Materie weiterhin großes Interesse in der Materialwissenschaft auf sich. Unter diesen sind Systeme auf Zinnoxidbasis (im Allgemeinen SnO₂ oder gemischte SnO/SnO₂-Phasen) aufgrund ihrer halbleitenden Eigenschaften, ihrer chemischen Stabilität und ihrer Kompatibilität mit wässriger Verarbeitung von besonderem Interesse. Bei der sonochemischen Synthese ermöglicht die Beschallung die Top-down-Produktion von Zinnoxidflocken im Nanomaßstab (SnOx-Nanoflocken) mit hervorragenden strukturellen/morphologischen Eigenschaften – Dadurch eignen sie sich für fortgeschrittene Anwendungen wie die photothermische Therapie (PTT).
Mechanismus und Gründe für die Ultraschall-Exfoliation für Nanoflocken
Die Ultraschallverarbeitung (Beschallung mit hoher Intensität) hat sich als hocheffiziente Technik für die Synthese von Nanomaterialien etabliert. Die zentralen physikalischen Phänomene sind akustische Kavitation – d. h. Zyklen von Blasenbildung, -wachstum und -kollaps in einem flüssigen Medium – die lokal extreme Bedingungen schaffen (Temperaturen von ~5 000 K, Drücke von ~1 000 bar und schnelle Abkühlungs- und Erhitzungsraten), die die Fragmentierung, Exfoliation und chemische Umwandlung von Vorläuferfeststoffen fördern.
Im Zusammenhang mit geschichteten oder halbgeschichteten Zinnverbindungen (z. B. SnS₂, SnO, SnO₂) erleichtert die Ultraschallbehandlung die Herstellung:
- Delamination oder Exfoliation von Schichtstrukturen in dünne Flocken;
- Mechanische Fragmentierung zur Verringerung der Seitengröße;
- Verbesserter Stofftransport und erhöhte Reaktivität in wässrigen Medien, was zu fehlerhaften Strukturen oder Phasenumwandlungen führen kann;
- Verbesserte Dispersion von nanoskaligen Blättern in Lösung für die weitere Verarbeitung.
Sonicator mit Sonotrode – hier das Hielscher-Modell UP400St – erleichtern die Synthese von Nanopartikeln wie Nanoflocken auf Zinnoxidbasis. (SnOx)
Wenn man also Zinnoxid-Nanoflocken (SnOx) durch Top-down-Methoden herstellen will, ist die Beschallung eine logische Wahl – insbesondere in Kombination mit wässrigen Medien, einer milden chemischen Behandlung oder elektrochemischem Peeling.
(a-d) FESEM-Bilder mit geringer und hoher Vergrößerung von mit Ultraschall hergestellten und bei 600 °C kalzinierten SnO-Nanopartikeln.
Studie und Bilder: © Ullah et al., 2017
Synthese von SnOx-Nanoflocken - Prozessübersicht
Die Synthese von Zinnoxid (SnO)-Nanopartikeln beginnt mit dem Auflösen des Zinnvorläufers (SnCl₂) in 36 ml destilliertem Wasser unter leichtem Rühren. Der pH-Wert der Lösung wird dann durch langsame Zugabe von 4 ml Ammoniumhydroxid unter Ultraschallbehandlung vorsichtig auf einen Wert zwischen 9 und 10 eingestellt. Ein Sondensonicator – wie der UIP500hdT (500 W, 20 kHz) mit einer 18-mm-Titansonde (BS4d18) – wird das Gemisch 60 Minuten lang beschallt, während die Temperatur bei etwa 80-90 °C gehalten wird. Die kontinuierliche Beschallung fördert die Keimbildung und das gleichmäßige Wachstum der Zinnoxid-Nanopartikel und führt nach etwa einer Stunde zu einer homogenen, transparenten kolloidalen Lösung. (vgl. Ullah et al., 2017)
Dieser Ansatz ist insofern bemerkenswert, als dass er nur wässrige Medien verwendet – was die Kompatibilität mit der nachfolgenden biomedizinischen Verarbeitung verbessert – und ist ein skalierbarer und umweltfreundlicher Prozess.
Exemplarische Anwendung: NIR Photothermische Therapie (PTT)
Die photothermische Therapie im nahen Infrarot (NIR) mit Nanomaterialien ist eine vielversprechende Strategie für die selektive Krebsbehandlung. In der Arbeit von Chang et al. (2025) erreichten die SnOx-Nanoflocken unter 810-nm-LED-Bestrahlung eine photothermische Umwandlungseffizienz von ~93 % (für eine 0,25 mg/mL-Dispersion). Eine Dispersion von 3 mg/ml erzeugte einen Temperaturanstieg von ~19 °C in 30 Minuten. Darüber hinaus zeigten In-vitro-Studien eine selektive Zytotoxizität: Bei 100-200 µg/mL und einer 30-minütigen Bestrahlung mit 115,2 mW/cm² wurde beispielsweise eine Verringerung der Zellviabilität von ~50 % bei SW837-Kolorektalkarzinomzellen und ~92 % bei A431-Hautkarzinomzellen festgestellt, wobei keine Zytotoxizität gegenüber menschlichen Hautfibroblasten beobachtet wurde.
Dieses Ergebnis ist besonders interessant, da kostengünstige LED-Quellen (anstelle von teuren Lasern) und eine wässrige Verarbeitung verwendet werden, was die Skalierbarkeit und das Umsetzungspotenzial verbessert. Es zeigt, wie die Morphologie von Nanomaterialien, die Defekttechnik und die Verarbeitungsmethode (Beschallung + Oxidation) neue Wege für biomedizinische Anwendungen eröffnen können.
Hochleistungssonicatoren für die Nanoflake-Synthese
Hielscher-Ultraschallprozessoren sind leistungsstarke, in Deutschland entwickelte Ultraschallgeräte, die sowohl für Labor- als auch für Industrieanwendungen entwickelt wurden und eine präzise Steuerung von Amplitude, Energieeintrag und Temperatur bieten. – Schlüsselparameter für die reproduzierbare Synthese von Nanomaterialien. Bei der Herstellung von Nanoflocken liefern ihre sondenartigen Systeme (z. B. UP400St, UIP500hdT, UIP1000hdT) intensive akustische Kavitation, die ein effizientes Exfolieren, Delaminieren und Dispergieren von geschichteten Materialien wie Metalloxiden oder Dichalcogeniden ermöglicht. Die durchstimmbare Amplitude (bis zu 200 µm), die Fähigkeit zum Dauerbetrieb und die integrierte digitale Überwachung gewährleisten einen gleichmäßigen Energietransfer und eine hervorragende Skalierbarkeit von Milliliter- bis zu Litervolumen. Diese Eigenschaften machen Hielscher-Sonikatoren besonders vorteilhaft für die Synthese einheitlicher Nanoflakes mit kontrollierbarer Größe, Dicke und Phasenzusammensetzung unter umweltfreundlichen, wässrigen Bedingungen.
Hielscher Sonicators ermöglichen die präzise Einstellung von Amplitude, Zeit, Impulsmodus und Temperatur – die die Entwicklung von Größe, Morphologie und Funktionalisierung ermöglichen.
- hoher Wirkungsgrad
- Modernste Technik
- Zuverlässigkeit & Robustheit
- einstellbare, präzise Prozesskontrolle
- Batch & Inline
- für jedes Volumen
- intelligente Software
- intelligente Funktionen (z. B. programmierbar, Datenprotokollierung, Fernsteuerung)
- einfach und sicher zu bedienen
- Geringer Wartungsaufwand
- CIP (Clean-in-Place)
In der folgenden Tabelle finden Sie die ungefähre Verarbeitungskapazität unserer Ultraschallhomogenisatoren:
| Batch-Volumen | Durchfluss | Empfohlenes Ultraschallgerät |
|---|---|---|
| 0,5 bis 1,5 ml | n.a. | VialTweeter |
| 1 bis 500ml | 10 bis 200ml/min | UP100H |
| 10 bis 2000ml | 20 bis 400ml/min | UP200Ht, UP400St |
| 0.1 bis 20l | 0,2 bis 4l/min | UIP2000hdT |
| 10 bis 100l | 2 bis 10l/min | UIP4000hdT |
| 15 bis 150 Liter | 3 bis 15 l/min | UIP6000hdT |
| n.a. | 10 bis 100l/min | UIP16000hdT |
| n.a. | größere | Cluster aus UIP16000hdT |
Design, Herstellung und Beratung – Qualität Made in Germany
Hielscher Ultraschallgeräte sind bekannt für höchste Qualität und Designstandards. Robustheit und einfache Bedienung ermöglichen die problemlose Integration unserer Ultraschallgeräte in industrielle Anlagen. Raue Bedingungen und anspruchsvolle Umgebungen sind für Hielscher Ultraschallgeräte kein Problem.
Hielscher Ultrasonics ist ein ISO-zertifiziertes Unternehmen und legt großen Wert darauf, Hochleistungs-Ultraschallgeräte zu entwickeln und zu produzieren, die sich durch modernste Technik und Benutzerfreundlichkeit auszeichnen. Selbstverständlich sind Hielscher Sonicators CE-konform und erfüllen die Anforderungen von UL, CSA und RoHs.
Literatur / Literaturhinweise
- Hafeez Ullah, Ibrahim Khan, Zain H. Yamani, Ahsanulhaq Qurashi (2017): Sonochemical-driven ultrafast facile synthesis of SnO2 nanoparticles: Growth mechanism structural electrical and hydrogen gas sensing properties. Ultrasonics Sonochemistry, Volume 34, 2017. 484-490.
- Chang H.P., Silva F.A.L.S., Nance E., Fernandes J.R., Santos SG.., Magalhães F.D., Pinto A.M., Incorvia J.A.C. (2025): SnOx Nanoflakes as Enhanced Near-Infrared Photothermal Therapy Agents Synthesized from Electrochemically Oxidized SnS2 Powders. ACS Nano. 2025 Sep 30;19(38):33749-33763
- S.Chakraborty, M.Pal (2016): Improved ethanol sensing behaviour of cadmium sulphide nanoflakes: Beneficial effect of morphology. Sensors and Actuators 2016.
- Saptarshi Ghosh, Deblina Majumder, Amarnath Sen, Somenath Roy (2014): Facile sonochemical synthesis of zinc oxide nanoflakes at room temperature. Materials Letters, Volume 130, 2014. 215-217.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Nanoflocken?
Nanoflakes sind zweidimensionale Nanostrukturen mit einem hohen Verhältnis von Seitenlänge zu Dicke, typischerweise einige hundert Nanometer breit und weniger als 20 Nanometer dick. Ihre große Oberfläche, ihre abstimmbaren elektronischen Eigenschaften und ihre hohe Reaktivität machen sie wertvoll für Katalyse, Sensorik und biomedizinische Anwendungen.
Wie werden Nanomaterialien in der Krebstherapie eingesetzt?
In der Krebstherapie werden Nanomaterialien als multifunktionale Wirkstoffe für die gezielte Verabreichung von Medikamenten, die Bildgebung und die therapeutische Intervention eingesetzt. Sie können sich über den EPR-Effekt (Enhanced Permeability and Retention) selektiv im Tumorgewebe anreichern und so die Behandlungspräzision verbessern, während die systemische Toxizität minimiert wird. Bei der photothermischen Therapie beispielsweise wandeln Nanomaterialien absorbiertes Nahinfrarotlicht in lokale Wärme um und ermöglichen so die selektive Ablation von Krebszellen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen.
Hielscher Ultrasonics fertigt Hochleistungs-Ultraschall-Homogenisatoren vom Labor bis zum voll-kommerziellen Industriemaßstab.


