Bildung von Liposomen mit Ultraschall: Methodik und Vorteile
, Kathrin Hielscher, veröffentlicht in Hielscher News
Liposomen sind kugelförmige Bläschen, die aus Lipiddoppelschichten bestehen und aufgrund ihrer Biokompatibilität und ihrer Fähigkeit, sowohl hydrophile als auch hydrophobe Substanzen einzukapseln, in der Arzneimittel-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie weit verbreitet sind. Der Einsatz von hochintensivem Ultraschall zur Liposomenbildung ist eine der gängigsten Techniken zur Verkapselung von Liposomen. Bekannt für ihre Effizienz, Skalierbarkeit und Fähigkeit, Liposomen mit kontrollierter Größe und hoher Verkapselungseffizienz herzustellen, bietet Ultraschall zahlreiche zusätzliche Vorteile im Vergleich zu alternativen Methoden der Liposomenherstellung. Dieser Artikel führt Sie in die Methodik der Ultraschall-Liposomenbildung, ihre Vorteile und die verschiedenen Anwendungen in Nahrungsergänzungsmitteln, Arzneimitteln, Therapeutika und funktionellen Lebensmitteln ein.
Ultraschall zur Bildung von Liposomen
Ultraschallhomogenisatoren sind ein unverzichtbares Werkzeug, wenn es um die Herstellung von wirkstoffbeladenen Liposomen geht. Hier geben wir Ihnen eine Einführung in die Herstellung und Beladung von Liposomen mit der ultraschallgestützten Methode.
- Zubereitung der Lipidlösung:
Das Verfahren beginnt mit der Herstellung einer Lipidlösung. Zu den häufig verwendeten Lipiden gehören Phosphatidylcholin, Cholesterin und andere Phospholipide. Diese Lipide werden in einem organischen Lösungsmittel wie Chloroform oder Ethanol aufgelöst. - Bildung eines Lipidfilms:
Anschließend wird die Lipidlösung unter vermindertem Druck (Vakuum) in einem Rotationsverdampfer eingedampft, so dass sich ein dünner Lipidfilm an den Wänden eines Rundkolbens bildet. Durch diesen Schritt werden die organischen Lösungsmittel entfernt, so dass ein trockener Lipidfilm zurückbleibt. - Hydratisierung des Lipidfilms:
Der getrocknete Lipidfilm wird mit einer wässrigen Lösung hydratisiert, die den zu verkapselnden Wirkstoff enthalten kann. Dieser Schritt führt zur Bildung von multilamellaren Vesikeln (MLVs). Die Hydratisierung erfolgt in der Regel durch Vortexen oder sanftes Rühren bei einer Temperatur oberhalb der Lipidübergangstemperatur. - Sonication:
Die MLVs werden dann mit einem Ultraschallhomogenisator beschallt. Die Ultraschallwellen induzieren Kavitation, wodurch Mikrobläschen entstehen, welche implodieren und starke Scherkräfte erzeugen. Dieser Prozess bewirkt eine Sonoporation, so dass die Liposomen effizient beladen werden, was zu einer hohen Einschlusseffizienz (EE%) führt. Die erhöhte Permeabilität durch die Sonoporation erleichtert die Diffusion der Verkapselungsstoffe in die Liposomen. Nach Beendigung des Beschallungsvorgangs setzen sich die Lipiddoppelschichten schnell wieder zusammen und schließen die eingekapselten Substanzen in ihrem Inneren ein.
Außerdem werden die MLVs durch Beschallung in kleinere unilamellare Vesikel (ULVs) oder kleine unilamellare Vesikel (SUVs) zerlegt, deren Größe in der Regel zwischen 20 und 200 nm liegt. Parameter wie Beschallungszeit, Leistung und Temperatur werden optimiert, um die gewünschte Liposomengröße und Verkapselungseffizienz zu erreichen. - Aufreinigung und Charakterisierung:
Nach der Beschallung wird die Liposomensuspension häufig gefiltert oder zentrifugiert, um nicht eingekapseltes Material und größere Vesikel zu entfernen. Die entstandenen Liposomen werden mit Techniken wie dynamischer Lichtstreuung (DLS) zur Größenverteilung, Zeta-Potenzial-Analyse zur Oberflächenladung und Transmissionselektronenmikroskopie (TEM) zur Morphologie charakterisiert.
wissenschaftlich bewiesen
Ultraschallhomogenisatoren haben sich schnell als zuverlässige Technik für die Liposomenherstellung durchgesetzt und werden heute in der Forschung und in der kommerziellen Produktion in großem Umfang für die Liposomenherstellung verwendet. Die Effizienz und Zuverlässigkeit der Ultraschall-Liposomenbildung und der Beladung der Liposomen mit Wirkstoffen wurde in Forschungsstudien für viele Formulierungen nachgewiesen. Im Folgenden finden Sie zwei kurze Übersichten über die Liposomenverkapselung mit Ultraschallhomogenisatoren.
Hadian et al. (2014) untersuchten die Effizienz der Ultraschallverkapselung von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl (DHA und EPA) in Liposomen. Um die Effizienz und Qualität des Einschlusses zu bewerten, verglichen sie die Ultraschall-Liposomenpräparationsmethode mit der Liposomenextrusion. Mit dem Hielscher Sondenschallgerät UP200S fanden die Forscher heraus, dass die Sondenschallung „von vorgeformten Liposomen ermöglicht eine erhebliche Beladung der nanoliposomalen Membran mit DHA und EPA. Die Sondenbeschallungstechnik übertraf andere Methoden.“ Die durch Sondenbeschallung hergestellten Liposomen waren kugelförmig und wiesen eine hohe strukturelle Integrität auf.
Paini et al. (2015) entwickelten ein einfaches, aber hocheffizientes Verfahren zur ultraschall-gestützten Herstellung von mit Apigenin beladenen Liposomen mit lebensmittelechtem Rapslecithin in einem wässrigen Medium (ohne Verwendung eines organischen Lösungsmittels). Mit dem 400-Watt Sonicator-Modell UP400S (Hielscher Ultrasonics) wurde eine Verkapselungseffizienz von mehr als 92% erreicht. Die Liposomengröße lässt sich durch Anpassung der Amplitude und der Prozesszeit genau steuern. Die Analyse zeigte, dass die liposomalen Apigenin-Strukturen ein hohes Zeta-Potenzial und einen guten Polydispersitätsindex aufwiesen und nach dem Verkapselungsprozess stabil blieben.
Vorteile der liposomalen Verkapselung mit Ultraschall
Die Techniken zur Liposomenpräparation sind sehr unterschiedlich und haben jeweils ihre eigenen Vorteile und Grenzen. Die Ultraschall-Liposomenpräparation zeichnet sich aus mehreren Gründen aus, da sie eine sehr hohe Einschlusseffizienz (EE%), eine hervorragende Kontrolle der Liposomengröße, zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse sowie eine lineare Skalierbarkeit auf größere Volumina bietet.
- Verbesserte Effizienz der Verkapselung:
Die Ultraschallbehandlung bietet eine hohe Verkapselungseffizienz sowohl für hydrophile als auch für hydrophobe Verbindungen. Die intensiven Scherkräfte und die Kavitation erleichtern die gleichmäßige Verteilung des Verkapselungsmittels innerhalb der liposomalen Doppelschicht oder des wässrigen Kerns. - Kontrollierte Größenverteilung:
Die Möglichkeit, die Beschallungsparameter genau zu steuern, ermöglicht die Herstellung von Liposomen mit enger Größenverteilung, die für eine gleichmäßige Wirkstoffabgabe und Bioverfügbarkeit unerlässlich ist. - Skalierbarkeit und Reproduzierbarkeit:
Die Ultraschall-Liposomenbildung ist in hohem Maße skalierbar, so dass sie sich sowohl für die Produktion im Labormaßstab als auch im industriellen Maßstab eignet. Die Reproduzierbarkeit des Prozesses gewährleistet eine gleichbleibende Qualität über alle Chargen hinweg. - Minimaler Einsatz von organischen Lösungsmitteln:
Im Vergleich zu anderen Methoden der Liposomenherstellung werden bei der Ultraschallbehandlung deutlich weniger organische Lösungsmittel benötigt, was die potenzielle Toxizität und Umweltbelastung verringert. - Vielseitigkeit:
Diese Technik ist vielseitig und eignet sich für eine breite Palette von Lipiden und Verkapselungsmitteln, was ihre Anwendbarkeit in verschiedenen Branchen erweitert.
Anwendungen in Nahrungsergänzungsmitteln, Arzneimitteln, Therapeutika und funktionellen Lebensmitteln
Hielscher Sonicators werden in der Forschung und in der kommerziellen Produktion zur Herstellung von Liposomen in Lebensmittel- und Pharmaqualität eingesetzt. Mit Ultraschall hergestellte Liposomen bieten eine hohe Bioverfügbarkeit, können hohe Wirkstoffmengen tragen, haben eine hohe Verkapselungseffizienz (EE%) und sind stabil. Außerdem führt die Beschallung zu einer gleichmäßigen Größenverteilung. Da sie alle diese Qualitätskriterien erfüllen, sind ultraschallformulierte Liposomen die idealen Träger für pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) und Phytochemikalien in Arzneimitteln, Therapeutika, Nahrungsergänzungsmitteln, funktionellen Lebensmitteln und sogar Kosmetika.
- Ergänzungen:
Die liposomale Verkapselung mit Ultraschall wird zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln und Nutrazeutika eingesetzt. Vitamine, Mineralien und Kräuterextrakte, die in Liposomen eingekapselt sind, weisen eine verbesserte Absorption und Stabilität auf, was zu einer besseren Wirksamkeit führt. So sind beispielsweise liposomale Vitamin-C- und Curcuminpräparate wegen ihres erhöhten therapeutischen Nutzens beliebt. - Pharmazeutika:
In der pharmazeutischen Industrie dienen Liposomen als Träger für die Verabreichung von Arzneimitteln und verbessern die Löslichkeit, Stabilität und Zielgenauigkeit von Medikamenten. Mit Ultraschall hergestellte liposomale Formulierungen werden für die Verabreichung von Chemotherapeutika, Antibiotika und Impfstoffen verwendet. Liposomales Doxorubicin zum Beispiel verringert die mit der herkömmlichen Doxorubicin-Therapie verbundene Kardiotoxizität. - Therapeutika:
Therapeutika profitieren von der liposomalen Verkapselung durch eine kontrollierte Freisetzung und gezielte Abgabe. Liposomen können biologische Barrieren wie die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ermöglichen so die Abgabe von Arzneimitteln an bestimmte Gewebe oder Zellen. Mit Ultraschall hergestellte Nanoliposomen haben eine sehr hohe Bioverfügbarkeit, da sie aufgrund ihrer Nanogröße in die Zielgewebe und -zellen eindringen können. Dies ist besonders vorteilhaft bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen und Krebs. - Funktionelle Lebensmittel:
In der funktionellen Lebensmittelindustrie verbessern Liposomen die Verabreichung bioaktiver Substanzen, wie Omega-3-Fettsäuren, Probiotika und Antioxidantien. Diese eingekapselten Bioaktivstoffe weisen eine verbesserte Stabilität und Bioverfügbarkeit auf, was zu besseren Gesundheitsergebnissen beiträgt. So trägt beispielsweise die ultraschallgestützte liposomale Verkapselung von Polyphenolen in Getränken dazu bei, deren antioxidative Eigenschaften zu erhalten. - Kosmetika:
Kosmetische Formulierungen, die auch als Cosmeceuticals bezeichnet werden, profitieren von der liposomalen Verkapselungstechnik, da Liposomen die Verkapselungseffizienz von Anti-Aging-Substanzen wie Antioxidantien verbessern und einen besseren Schutz gegen oxidativen Stress bieten. Die Doppelschichtstruktur schützt empfindliche Verbindungen vor Umweltfaktoren wie UV-Strahlung und Umweltverschmutzung, die Antioxidantien abbauen können. Die verbesserte Verkapselungsleistung von beschallten Liposomen ermöglicht die stabile Aufnahme flüchtiger und empfindlicher Verbindungen, deren effektive Verabreichung ansonsten schwierig wäre.
Die Bildung von Liposomen mit Hilfe von Ultraschall ist eine robuste und vielseitige Technik mit erheblichen Vorteilen in Bezug auf Verkapselungseffizienz, Größenkontrolle, Skalierbarkeit und Umweltverträglichkeit. Ihre Anwendung erstreckt sich auf verschiedene Branchen, von der Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln bis zur Verbesserung der Abgabe und Wirksamkeit von Arzneimitteln und Therapeutika. Mit den Fortschritten in Forschung und Technologie wächst das Potenzial der Ultraschall-Liposomenverkapselung zur Innovation und Verbesserung von Produktformulierungen weiter und verspricht spannende Entwicklungen in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Ernährung und Kosmetik.
Mit Ultraschall formulierte Nanocarrier
Neben Liposomen wird die Sonikation auch erfolgreich für die Formulierung und Beladung verschiedener anderer Nano-Trägerformen wie Nanopartikel aus festen Lipiden, nanostrukturierte Lipidträger und Nanoemulsionen eingesetzt. Hielscher Sonicators fördern die effiziente Bildung und Beladung dieser Nanoträger mit bioaktiven Inhaltsstoffen. Hielscher-Sonicatoren sind bekannt für ihre hochmoderne Technologie und werden weltweit in der Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikproduktion eingesetzt.
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Literatur / Literaturhinweise
- Zahra Hadian, Mohammad Ali Sahari, Hamid Reza Moghimi; Mohsen Barzegar (2014): Formulation, Characterization and Optimization of Liposomes Containing Eicosapentaenoic and Docosahexaenoic Acids; A Methodology Approach. Iranian Journal of Pharmaceutical Research (2014), 13 (2): 393-404.
- Marco Paini, Sean Ryan Daly, Bahar Aliakbarian, Ali Fathi, Elmira Arab Tehrany, Patrizia Perego, Fariba Dehghani, Peter Valtchev (2015): An efficient liposome based method for antioxidants encapsulation. Colloids and Surfaces B: Biointerfaces, Volume 136, 2015. 1067-1072.
- Huang Y.B., Tsai M.J., Wu P.C., Tsai Y.H., Wu Y.H., Fang J.Y. (2011): Elastic liposomes as carriers for oral delivery and the brain distribution of (+)-catechin. Journal of Drug Targeting 19(8), 2011. 709-718.
- Pucek-Kaczmarek, A. (2021): Influence of Process Design on the Preparation of Solid Lipid Nanoparticles by an Ultrasonic-Nanoemulsification Method. Processes 2021, 9, 1265.
- Joanna Kopecka, Giuseppina Salzano, Ivana Campia, Sara Lusa, Dario Ghigo, Giuseppe De Rosa, Chiara Riganti (2013): Insights in the chemical components of liposomes responsible for P-glycoprotein inhibition. Nanomedicine: Nanotechnology, Biology, and Medicine 2013.


