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Herstellung von Arzneimitteln: Die Sonikation prägt die Zukunft der biogenen Arzneimittel

, Kathrin Hielscher, veröffentlicht in Hielscher News

Ultraschall ist nicht mehr nur ein Laborwerkzeug. In der pharmazeutischen Produktion entwickelt sich die Beschallung zu einer leistungsstarken Technologie für die Herstellung von biogenen Arzneimitteln – Arzneimittel aus natürlichen biologischen Quellen, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Hier stellen wir die Ergebnisse einer neuen Forschungsarbeit zu Goldnanopartikeln aus Brokkoli vor, die zeigt, wie die Ultraschallverarbeitung eine Brücke zwischen grüner Chemie und modernem Arzneimitteldesign schlägt.

Was passiert also, wenn hochintensiver Ultraschall auf die Biochemie von Pflanzen trifft?

Von Brokkoli bis zu biogenen Arzneimitteln

Die Herstellung von biogenen Arzneimitteln beruht auf bioaktiven Molekülen wie Polyphenolen, Flavonoiden, Glucosinolaten und Peptiden. Diese Verbindungen können als Reduktionsmittel, Stabilisatoren und sogar als therapeutische Komponenten dienen. Die effiziente Extraktion und Aktivierung dieser Verbindungen war jedoch schon immer ein Engpass.

Sonicator UP200St für die Synthese von biogenen Arzneimitteln

Ultraschallkavitation fördert die Synthese von biogenen Arzneimitteln

Sonicator UP200St für die Synthese von biogenen ArzneimittelnIn einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Forscher gezeigt, dass sich aus wässrigem Brokkoli-Extrakt Gold-Nanopartikel mit ausgeprägten antioxidativen, wundheilenden und selektiven krebshemmenden Eigenschaften herstellen lassen. Entscheidend ist, dass die Synthese unter Ultraschallbestrahlung mit dem 200-Watt-Sonicator Modell UP200St (Hielscher Ultrasonics, Bild links) durchgeführt wurde. Die Beschallung war kein passiver Schritt – Sie war die treibende Kraft, die eine schnelle Bildung von Nanopartikeln, eine kontrollierte Größenverteilung und stabile biofunktionale Oberflächen ermöglichte.

Innerhalb von Minuten schuf die ultraschallinduzierte Kavitation lokale hochenergetische Mikroumgebungen. Diese Bedingungen beschleunigten die Reduktion von Goldionen, während die empfindlichen Phytochemikalien, die für die biologische Aktivität verantwortlich sind, erhalten blieben.
Das Ergebnis? Einheitliche, ultrakleine Goldnanopartikel, die mit aus Brokkoli gewonnenen Biomolekülen überzogen und für biomedizinische Zwecke maßgeschneidert sind.

Genau hier zeigt die industrielle Beschallung ihre Stärke.

 

Schematische Darstellung: Grüne Synthese von AuNPs mit Brassica oleracea-Extrakt. Der wässrige Extrakt dient sowohl als Reduktions- als auch als Stabilisierungsmittel während des Ultraschallsyntheseprozesses. Der Brokkoli-Extrakt wird unter Beschallung mit dem UP200St-Sonicator tropfenweise mit Chlorsäure versetzt und anschließend 24 Stunden lang bei 4◦C inkubiert, um die Bildung von Nanopartikeln zu ermöglichen. Die kolloidale Suspension wird dann einer zweiten Beschallung und Zentrifugation unterzogen, um nicht umgesetzte Komponenten zu entfernen, wodurch gereinigte AuNPs mit stabiler Dispersion entstehen.

Grüne Synthese von AuNPs mit Brassica oleracea-Extrakt. Der wässrige Extrakt dient sowohl als Reduktions- als auch als Stabilisierungsmittel während des Ultraschallsyntheseprozesses. Der Brokkoli-Extrakt wird unter Beschallung mit dem UP200St-Sonicator tropfenweise mit Chlorsäure versetzt und anschließend 24 Stunden lang bei 4◦C inkubiert, um die Bildung von Nanopartikeln zu ermöglichen. Die kolloidale Suspension wird dann einer zweiten Beschallung und Zentrifugation unterzogen, um nicht umgesetzte Komponenten zu entfernen, wodurch gereinigte AuNPs mit stabiler Dispersion entstehen.

Warum die Sonikation bei der Herstellung von biogenen Arzneimitteln wichtig ist

Bei der Beschallung wird mechanische Energie durch akustische Kavitation in Flüssigkeiten eingebracht – die Bildung und das Kollabieren von mikroskopisch kleinen Blasen. Für die pharmazeutische und biotechnologische Produktion ergeben sich daraus mehrere entscheidende Vorteile:

  1. Verbesserte Effizienz der Extraktion
    Durch die Sonikation werden die pflanzlichen Zellwände aufgebrochen und die intrazellulären bioaktiven Verbindungen schnell und reproduzierbar freigesetzt. Im Vergleich zur konventionellen Extraktion sind die Ausbeuten höher, der Lösungsmittelverbrauch ist geringer und die Verarbeitungszeiten sind drastisch reduziert.
  2. Kontrollierte Nanosynthese
    Bei der Synthese von grünen Nanopartikeln fördert die Beschallung die gleichmäßige Keimbildung und begrenzt das unkontrollierte Wachstum. Dies führt zu einer engen Partikelgrößenverteilung, einem kritischen Parameter für die Verabreichung, die biologische Verteilung und die Sicherheit von Arzneimitteln.
  3. Milde Verarbeitungsbedingungen
    Die Extraktion und Synthese mit Ultraschall kann bei niedrigen Temperaturen durchgeführt werden. Das ist wichtig, wenn man mit hitzeempfindlichen Biomolekülen wie Enzymen, Antioxidantien oder schwefelhaltigen Verbindungen wie Sulforaphan aus Brokkoli arbeitet.
  4. Skalierbarkeit und Reproduzierbarkeit
    Im Gegensatz zu chargenabhängigen chemischen Reaktionen lassen sich Ultraschallprozesse linear skalieren. Mit der richtigen Ausrüstung können Protokolle im Labormaßstab direkt in die Pilot- oder Industrieproduktion übertragen werden.

Kurzum, die Beschallung ist nicht nur schneller – sie ist präziser.

 

UV-vis-Analyse zur Bestätigung der Bildung von AuNPs, die mit Brassica oleracea var. italica-Extrakt synthetisiert wurden. Der SPR-Peak bei 560 nm zeigt die erfolgreiche Reduktion von Au3+ zu Au⁰ und die Bildung von stabilen, mit Phytochemikalien verkappten AuNPs an.

UV-visuelle Spektralanalyse zur Bestätigung der Bildung von AuNPs, die mit Brassica oleracea var. italica-Extrakt synthetisiert wurden. Der SPR-Peak bei 560 nm zeigt die erfolgreiche Reduktion von Au3+ zu Au⁰ und die Bildung von stabilen, mit Phytochemikalien verkappten AuNPs an.

Sonicator UP200St mit Sonotrode S26d7D und Durchflusszelle FC7GK für Inline-Homogenisierung

Sonicator UP200St mit Sonotrode S26d7D und Durchflusszelle FC7GK für die Inline-Präparation von Niosomen

Jenseits von Nanopartikeln: Eine Plattformtechnologie

Gold-Nanopartikel sind zwar ein überzeugendes Beispiel, aber die Auswirkungen der Ultraschallverarbeitung gehen weit über die Nanomedizin hinaus.

Die Beschallung wird zunehmend eingesetzt:

  • Extraktion von Phytochemikalien für injizierbare und orale Formulierungen
  • Emulgierung von Arzneimittelträgern auf Lipidbasis
  • Dispersion von Biologika und Adjuvantien
  • Aktivierung von enzymatischen und fermentativen Produkten

In allen Fällen verbessert Ultraschall den Stoffaustausch und die Reaktionseffizienz, ohne chemische Verunreinigungen einzubringen. Bei biogenen Arzneimitteln, bei denen die behördliche Kontrolle und die biologische Integrität im Vordergrund stehen, ist dies ein entscheidender Vorteil.

Ein nachhaltiger Weg in die Zukunft

Die pharmazeutische Produktion steht unter wachsendem Druck, die Umweltauswirkungen zu verringern und gleichzeitig innovativ zu bleiben. Biogene Arzneimittel, die mit Ultraschall synthetisiert und verarbeitet werden, erfüllen beide Kriterien.

Sie basieren auf erneuerbaren biologischen Ressourcen. Sie minimieren gefährliche Reagenzien. Und wenn sie mit industrieller Beschallung kombiniert werden, sind sie in großem Maßstab rentabel.

Die Studie zu Goldnanopartikeln, die mit Brokkoli hergestellt wurden, zeigt diese Veränderung deutlich auf. Beschallung war keine Nebensache – Es war die Technologie, die einen Pflanzenextrakt in ein multifunktionales biomedizinisches Produkt verwandelte.

Da das Interesse an umweltfreundlichen Arzneimitteln, regenerativer Medizin und zielgerichteten Therapien weiter zunimmt, ist die Ultraschallverarbeitung auf dem besten Weg, ein zentrales Produktionswerkzeug zu werden. Und mit Hochleistungssystemen von Hielscher ist der Übergang von der Laborforschung zur industriellen Produktion kein technischer Sprung mehr – es ist ein einfacher technischer Schritt.

Die Frage ist nicht mehr, ob Ultraschall in die Herstellung von biogenen Arzneimitteln gehört. Die eigentliche Frage ist, wie schnell die Industrie ihn übernehmen wird.



Literatur / Literaturhinweise

Häufig gestellte Fragen


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